Die Maulquappen - Zwischen Thermomix und Clinton

Das Allgäu-Schwäbische Trio „Maulquappen“ sorgt im Sportheim für viele Lacher. Doch die Kabarettisten schlagen auch ernsthafte Töne an.
von Frederick Haug (Augsburger Allgemeine, 14.11.2016)

Wenn in der offiziellen Ankündigung des Kabarett-Abends des SSV Margertshausen von „Humor bedingter Inkontinenz“ zu lesen ist, liegt die Erwartung an die drei Herren aus Allgäu-Schwaben, die sich zusammen „Maulquappen“ nennen, relativ hoch. Doch der Name ist im süddeutschen Raum bereits bestens bekannt: Mit ihrer Mischung aus Musik, Kabarett, Gedichten und derbem Wortwitz begeistert das Trio regelmäßig ein beachtliches Publikum.

Und um es gleich vorweg zu nehmen: Auch an diesem Abend in Margertshausen gelingt es ihnen gleich von Beginn an, die 150 Menschen, die sich im ausverkauften Sportheim auf einen lustigen Abend freuen, mitzureißen.

Dabei treten sie in große Fußstapfen, denn die Liste vergangener Künstler, die den mittlerweile zur Tradition gewordenen Kabarettabend in Margertshausen in der Vergangenheit besuchten, liest sich wie ein Who-is-who der lokalen Kabarettszene. So fanden bisher unter anderem Herr und Frau Braun und Silvano Tuiach den Weg in die Stauden. „Wir haben ein treues Publikum, das auch teilweise von außerhalb kommt“, kommentiert Christian Eller von der Abteilung Theater des Sportvereins den Erfolg ihrer Veranstaltung.

 

Das knapp dreistündige Programm der „Maulquappen“ ist ein wilder Ritt durch verschiedenste Themen, mal politisch, mal nicht, mal ironisch und dann aber auch wieder nachdenklich. So vielfältig, wie der Inhalt ist auch die musikalische Garnierung.

Vor keinem Musik-Genre scheinen die drei Herren, die seit 2004 als Trio auftreten, Halt zu machen. Sie spielen volkstümliche Lieder, aber auch Blues, Chansons, Reggae und Bossa Nova. Dabei kommen zahlreiche Instrumente zum Einsatz: neben Akkordeon, Gitarre und Kontrabass, bekommt man im Laufe des Programms auch eine Klarinette, eine Tuba sowie eine „Steirische Ziach“ zu hören. Man erhält oft den Eindruck, als habe man eine ganze Band vor sich. Dies gelingt ihnen vor allem durch den Einsatz eines Kofferschlagzeugs, welches sie mit den Füßen zusätzlich bedienen können.

 

Inhaltlich erfährt man viel über die Sicht des Schwabens auf die Dinge. Vor allem natürlich auf das politische Weltgeschehen. Aus Hillary Clinton wird „Hillery Hollero“ und aus dem Geheimdienst NSA „Neigierige-Sau-Ami“. Auch Ulli Hoeneß, Präsident Erdogan, Bischof Tebartz van Elst und die „erneuerbaren Bundesländer“ bekommen ihr Fett weg.

Doch den Schwaben beschäftigen auch einfache Dinge wie Thermomix, Tupperparties und der Traum von wärmeren Gefilden. Ganz grundsätzlich hat er so seine Probleme mit den neuen englischen Begriffen. Er versteht statt „Halloween“ „Hello Wien“ und muss einer Ostdeutschen die Dampfnudel als „Steamnoodle“ erklären. Nicht zuletzt denkt der Schwabe natürlich an das Alter und lebt nach dem Motto: „Lasst uns unsere Zeit genießen, bevor uns die Verwandten gießen“. Er liest die „Rentnerbravo“, also die Apotheken Umschau, und trinkt sein RedBull mit Blasentee.

Ein bisschen ernster wird der Auftritt der „Maulquappen“ dann zum Schluss, als sie ein Lied über den Neid in einem solch reichen Land wie unserem singen. Bei all dem Spaß trägt dies dann wieder zur Besinnung bei.

(Fotos von Christian Eller)