14.11.2015 "Jetzt wird akupointiert" mit den TraumFraun

TraumFraun therapieren die Lachmuskeln - Allgäuer Duo sorgt mit frechen Anekdoten und einer Portion Selbstironie für Spaß in Margertshausen
von Philipp Kinne (Augsburger-Allgemeine 17.11.2015)

„Heute abend sind Sie alle unsere Privatpatienten“, stellen die beiden Kabaretttherapeutinnen gleich zu Beginn ihres Auftritts klar. Was das Margertshauser Publikum dann erwartet, ist eine Sitzung mit viel Charme, urkomischer Alltagskomik und Pointen, die treffen wie Nadelstiche einer Akupunktur. „Therapieren durch akupointieren“, das ist das Motto des siebten Bühnenprogramms der beiden Allgäuerinnen Claudia Lau und Elke Hermann.

 

Sichtlich wohl fühlen sich die beiden Powerfrauen auf der kleinen Bühne im Sportheim, während sie künstlerisch zwischen Slapstick, Gesang und großer Literatur glänzen und inhaltlich irgendwo zwischen Alltäglichem und Weltgeschehen pendeln. Die großen Themen der Zeit gehen die TraumFraun anschaulich mit dem eigenen Körper als Modell an. „Stellen Sie sich einmal vor, die Claudia wäre ein Gebäude“, erklärt TraumFrau Elke Hermann. Dem Klimawandel könne man hier beispielsweise bestens mit einer „lipiden Dämmung“ in der Bauchgegend entgegenwirken. Seit Jahren investiere sie schon in diese Dämmung, meint Claudia Lau, das zahle sich energietechnisch natürlich aus. Auch das sogenannte „Female Fracking“, mit dem auch das letzte bisschen Energie aus dem weiblichem Körper gewonnen werden könne, sei immer interessanter geworden, scherzen die Kabarettistinnen. Bei den Männern hingegen sehe das rein energietechnisch oft ganz anders aus. „Lohnt sich die Investition in die Fassade, oder greift da schon der Denkmalschutz?“, sei das Stichwort.

Daneben kommen die beiden TraumFraun auch ihrem Bildungsauftrag nach. Den hätten die beiden Mütter schließlich „mit der letzten Presswehe im Kreißsaal“ mitbekommen. Sie interpretieren immer wieder literarische Klassiker und verwandeln sie in Verszeilen des Alltags. Mörikes „Frühling“ wird zu einem Gedicht des menschlichen Stoffwechsels, Goethes „Erlkönig“ zu einem Dialog zwischen Führerscheinneuling und besorgter Mutter. Wie Goethes Vater, der mit seinem Sohn durch Nacht und Wind reitet, begleitet dann die ängstliche Mutter jede Bewegung des pubertierenden Sohnes hinter dem Lenkrad. Dass dieser am Ende lieber zu Fuß den Heimweg antritt, als nur noch eine Sekunde neben der uncoolen Mutter zu verbringen, versteht sich wohl von selbst. Zum Thema Fitne,ss: Beim Yoga gebe sie allerdings mehr das Modell „Maulwurfshügel“, als graziler Kranich ab, witzelt Claudia Lau. Die „Kontrollspiegel“ im Studio hätten ihr bislang nur eine gewisse Ähnlichkeit zu Tsunamis attestiert: „wellenförmige Katastrophe“. Ins Schwitzen gerieten die Kabarettistinnen doch wohl auch ohne Fitnessübungen auf der Margertshauser Bühne. Bis auf den letzten Platz war das Sportheim mit begeistertem Publikum gefüllt, was die Temperatur im Saal in die Höhe steigen ließ.

Der Stimmung tat dies jedoch keinen Abbruch. Glücklich therapiert bedankten sich die Margertshauser mit großem Applaus.